Eltern müssen Ihren Kindern helfen mit einer Scheidung umzugehen

Statistisch gesehen wird jede dritte Ehe irgendwann  geschieden,  für die betroffenen Kinder ist dies eine emotional schwierige Situation. Sie werden dabei mit Konflikten und Ängsten konfrontiert, deren Bewältigung ihre junge Seele überfordert. In dieser Situation liegt das Kindeswohl mehr als sonst in der Hand der Eltern: Mit einem möglichst reibungslosen Scheidungsablauf und viel Sensibilität können sie verhindern, dass das emotionale Gerüst ihrer Kinder ins Schwanken gerät.

Scheiden lassen

Ist der Scheidungsantrag eingereicht, nimmt die Trennung für die gesamte Familie konkrete juristische Formen an. Das Gericht wird nun über das Scheitern der Ehe befinden und am Ende der juristischen Wegstrecke das Scheidungsurteil aussprechen. Den Weg dorthin können die Eheleute dabei maßgeblich beeinflussen: So liegt es allein in ihrer Entscheidungsgewalt, ob die Scheidung einvernehmlich oder mit dem Widerspruch eines Partners erfolgt.

Die einvernehmlichen Scheidung als Vorteil

Aus juristischer Sicht ist eine einvernehmliche Scheidung der effektivste Weg, nerven- und zeitsparend auseinander zu gehen. Von ihr spricht man, wenn keiner der beiden Partner der Scheidung widerspricht. Nach Ablauf des in § 1566 BGB zwingend vorausgesetzten Trennungsjahres kann in diesem Fall der Richter das Scheitern der Ehe einfach feststellen. Eine langwierige Beweisführung ist nicht mehr nötig. Das spart Prozesskosten und vor allem Zeit. Zeit, die die Eltern für ihre Kinder gebrauchen können – die, so wissenschaftliche Studien, gerade in den ersten zwei Jahren nach der Trennung besonders stark auf Zuwendung angewiesen sind.

Wie geht es den Kindern?

Ob emotional oder rechtlich: Dass Kinder in ein Scheidungsverfahren ebenso involviert sind wie die ehemaligen Partner selbst, ist eine Erkenntnis, die großen Schaden abwenden kann.

Emotional: Pflichten der Eltern

Wenn sich die Eltern scheiden lassen, sieht sich das Kind mit einer gewaltigen Belastungsprobe konfrontiert. Das Zerbrechen der vermeintlich heilen Familienwelt steht im starken Widerspruch zu dem Bedürfnis der Kinder nach Sicherheit und Beständigkeit. Fragen wie „Wenn ein Elternteil auszieht – verlässt mich dann auch der andere?“ können wahre Traumata auslösen. Doch je weniger die Eltern streiten, je kürzer das Verfahren ist – desto leichter ist am Ende der emotionale Rucksack für den Nachwuchs. Zudem raten Experten, mit dem Kind das offene Gespräch zu suchen und ihm das sichere Gefühl zu vermitteln, dass weiterhin beide Elternteile als Bezugspersonen präsent sind. Auf diese Weise stehen die Chancen gut für eine konfliktarme Verarbeitung der Scheidungssituation.

Gift hingegen ist es, Kinder für die Scheidung zu instrumentalisieren, sie beispielsweise gegen den ehemaligen Partner auszuspielen. Hierbei geraten die Kinder in emotionale Konflikte, mit deren Umgang sie überfordert sind. Derartige negative Erfahrungen können verheerende Folgen haben – deren Bogen sich bis ins Erwachsenenalter schlägt: zum Beispiel in Form der mangelnden Fähigkeit, zu anderen Personen Vertrauen aufzubauen.

Die Rechte der Kinder

Wie es nach einer Scheidung für die betroffenen Kinder weitergeht – dieser Frage hat sich natürlich auch der Gesetzgeber gewidmet. Besonders entscheidend für das Kind sind hierbei die Regelungen zur Verteilung des Sorgerechts: Gemäß § 1626 BGB geht das Sorgerecht grundsätzlich zu gleichen Anteilen an beide Eltern. Mit der gemeinsamen elterlichen Sorge trägt das Gesetz dem Umstand Rechnung, dass für das Kindeswohl die Präsenz beider Elternteile am besten ist. Nur wenn ein Elternteil einen Antrag auf alleiniges Sorgerecht stellt oder das Gericht wegen einer massiven Gefährdung des Kindes eingreifen muss, wird die Aufteilung des Sorgerechts hinterfragt.