Lücken im Lebenslauf – schlimm oder menschlich?

Gerade junge Menschen hadern mit den Phasen, in denen es einfach nicht rund läuft. Angesichts des hart umkämpften Arbeitsmarktes befürchten einige Bewerber daher negative Auswirkungen auf eine potenzielle Anstellung. Was bedeuten die kleinen Lücken im sonst so stringent durchgezogenen roten Faden des Werdegangs wirklich?

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Die Bewerbung ist das Aushängeschild des persönlichen und beruflichen Werdegangs. Für einen optimalen Eindruck ziehen sich der Werdegang und die dahinterstehenden Lebensentscheidungen deshalb bestenfalls durch wie ein roter Faden: schon im Sandkasten Führungsqualitäten bei der Einteilung der Spielzeuge bewiesen, in der Folge dann mit herausragenden Noten sowie außerschulischem Engagement geglänzt und bereits in der siebten Klasse den Blick fest auf die nahende Berufsausbildung oder das weiterführende Studium gerichtet.

Die Realität sieht in den meisten Fällen jedoch etwas anders aus und reißt hier und dort eine kleine (oder größere) Lücke in die von Personalern sonst so stringent gewünschte Lebensplanung. Lücken gehören zum Lebenslauf wie die Löcher in den Käse – doch sie wollen richtig verpackt und ins rechte Licht gerückt werden, damit am Ende des Bewerbungsprozesses der erhoffte Job herausspringt.

 

Was ist überhaupt eine Lücke im Lebenslauf?

Ist die berüchtigte “Ehrenrunde” in der 9. Klasse eine Lücke im Lebenslauf? Wie sieht es mit der falschen Wahl des Studienfachs und dem Abbruch aus? Fällt eine betriebsbedingte Kündigung, die einen monatelangen Bewerbungs-Marathon nach sich zieht, unter die Begrifflichkeit und wie steht es um den sechsmonatigen Soul-Trip nach Bali?

Generell gilt: Personaler sind auf Ungereimtheiten im Lebenslauf geschult und wissen die richtigen Fragen zu stellen. Als Lücke klassifizierbar sind diese vor allem dann, wenn die Bewerber über einen anhaltend langen Zeitraum keine Tätigkeit im Sinne von Arbeit, Weiterbildung, Schule oder Praktikum ausgeübt haben. Im Volksmund wird hierbei von einem Zeitraum zwischen ein bis zwei Monaten gesprochen.

Konkret fallen diese Unbeständigkeiten im Lebenslauf auf, wenn die Zeitangaben zwischen den jeweiligen Stationen fehlende Monate oder sogar Jahre vorweisen. Dies ließe sich natürlich durch die Verwendung von Begriffen wie “Work and Travel” oder “Auszeit” füllen, doch Personaler kennen so gut wie jeden dieser Winkelzüge und stürzen sich im Bewerbungsgespräch sehr sicher auf diese herausstechenden Punkte.

Deshalb gilt: Ob selbst heraufbeschworen, unfreiwillig reingerutscht oder das Ziehen der Reißleine – Falschangaben sind absolut tabu und spätestens beim Vorgaukeln von Fähigkeiten oder Weiterbildungen im Erfolgsfall sogar ein fristloser Kündigungsgrund.

 

Im Lebenslauf schummeln – keine gute Idee

Es ist die berühmte Pause nach dem Studium, die Auszeit, die Sprachreise. “Wenn nicht zu dieser Zeit, wann sonst?”, argumentiert der Bewerber im Vorstellungsgespräch, angesprochen auf die anderthalbjährige Lücke im Lebenslauf. Eigentlich kämpfte man als Absolvent mit den Gepflogenheiten des rauen Arbeitsmarktes und war händeringend auf der Suche nach einer Anstellung, aber “Sprachreise nach Südafrika” hört sich nun mal deutlich besser an. Doch spätestens dann, wenn der Personaler selbst Urlaub am südlichsten Zipfel des Kontinents gemacht hat, kommt man in Erklärungsnot.

Lügen sind die falsche Herangehensweise, wenn sich Lücken im Lebenslauf auftun. Im Gegenteil: Die Person auf der anderen Seite macht dies beruflich und kennt die meisten Winkelzüge. Viel mehr punktet man hier mit Ehrlichkeit und guten Antworten auf schwierige Lebensabschnitte.

Wo liegt das Problem, wenn Bewerber trotz guter Noten und zahlreicher Versuche einfach keinen Job finden konnten, sich aber nicht unterkriegen ließen? Wer kann es einem Ausbildungs- oder Studienabbrecher verübeln, dass er sich in jungen Jahren von guten Schulnoten hat leiten lassen, nur um dann in der Folge festzustellen, dass seine wahre Leidenschaft beispielsweise in der Arbeit mit Menschen statt in den Naturwissenschaften liegt?

Und warum sollten Personaler kein Verständnis dafür haben, wenn eine lange Krankheit (auf die man nicht näher eingehen muss) eine schulische oder berufliche Pause nach sich zieht oder man trotz guter Leistungen nach der Ausbildung nicht übernommen wird? Sollte dies ein Problem darstellen, ist vielleicht der Job oder eben der Personaler nicht der Richtige, doch sicherlich nicht die vermeintliche Lücke im Lebenslauf.

 

Hochglanzpolierte Übertreibungen – es gibt Unterschiede

Wer sich generell in einem zu positiven Licht darstellt, riskiert eine Überoptimierung und schadet sich damit letztendlich selbst. Dabei gibt es jedoch themenabhängig auch deutliche Unterschiede in der Bewertung von Lebenslauflügen, wie das Portal Statista aufzeigt. Als eher harmlos werden dort übertriebene Angaben zu Hobbys und den persönlichen Interessen eingestuft. Hier verzeihen Entscheidungsträger schon mal, wenn aus einem Hobby-Läufer im Lebenslauf ein “Ausdauer-Ass für die Firmenmannschaft” wird. Weitaus gravierender fallen jedoch gelogene Angaben zu Qualifikationen, dem Namen, dem Alter oder der Länge der Berufserfahrung aus – um nur einige Punkte zu nennen.

 

Lücken wollen richtig vorgetragen werden

Der perfekte Lebenslauf ruft manchmal also mehr Zweifel als Begeisterung hervor, denn unfehlbar ist bekanntlich niemand. Was also tun? So unbefriedigend sich das an dieser Stelle anhört – die Antwort ist auch immer an die jeweiligen Umstände gekoppelt.

Versucht man beispielsweise, aus einer langen Phase der Arbeitslosigkeit auszubrechen, hilft neben der Selbsterkenntnis und einem nachweisbaren Engagement – um seine Situation zu verbessern – meist auch die selbstbewusste Wortwahl im Lebenslauf.

Wer auf Reisen war, sollte auch aus dieser Zeit die positiven Schlüsse ziehen und die Vorteile verkaufen. Beispielsweise der befriedigte Abenteuerdrang – der einen jetzt wieder in die Sicherheit geregelten Einkommens lenkt –, die gewonnenen Sprachkenntnisse oder die charakterformenden Eigenschaften, auf eigene Faust ein so großes Unterfangen angegangen zu haben. Am Ende ist es einfach die Art und Weise, wie man mit Lücken im Lebenslauf umgeht.